Mittwoch, 1. Oktober 2014

2009-2014 Medienreferent in St. Pölten

Gestern war mein letzter Tag als Medienreferent von Bischof Klaus Küng in St. Pölten. Neben einer schönen kleinen Abschiedsfeier habe ich ihn verbracht, wie ich viele Tage in den letzten 5 Jahren verbringen durfte - beim Mit-Managen einer Krise, welche über die diözesane Leitung hereinbrach  und viele, viele Anrufe und Emails von meinem Handy zwecks Wordings etc. bis gestern abend spät beinhaltete.

Ich denke, eine Weile werde ich vermutlich noch "mitdenken". aber irgendwann werde ich weniger mitbekommen, was in St. Pölten passiert. Weil sich meine wundervolle Nachfolgerin Katharina Brandner mit der ihr eigenen Energie wunderbar hineingeworfen haben wird. Dann kann ich mich in meinen neuen Job vertiefen - den Aufbau einer deutschsprachigen katholischen Nachrichtenseite; davon gelegentlich mehr.

Was habe ich in den 5 Jahren gelernt?

+ das es einen großen, GROßEN Unterschied macht, wer Bischof in einer Diözese ist, und dass zugleich ein Bischof kein Allenherrscher ist, der seine Vorstellungen zu 100% umsetzen kann...

+ dass alles, wirklich alles ein wenig (oder sehr viel) komplexer ist, als es von aussen den Anschein hat; und dass die Regel gut ist, dass sich Aussenstehende nur mit sehr viel Vorsicht in Ereignisse in einer (anderen) Diözese einmischen sollten;

+ dass Bischöfe oft (zum Frust vieler Gläubigen) nicht "dreinschlagen" oder "entschlossen handeln", weil sie eben genau viel mehr Details zu einem Fall vor Augen haben, als über die Medien kolportiert werden;

+ dass die Krise in der Kirche groß ist (war sie das vielleicht schon immer?) und dass zugleich unglaublich viele Hoffnungszeichen da draussen sind (waren sie das vielleicht schon immer?) - und dass ein, zwei Menschen und ihr Einsatz für Christus den ganzen Unterschied machen können

+ dass wirklich alle Menschen, Laien, Bischöfe, Priester, Fromme wie Unfromme "arme Schweine" sind und ihre dunklen Seiten haben - und dass unsere große Aufgabe ist, "für sie Hoffnung zu haben und sie zu lieben" (Bischof Küng)

+ dass praktisch 97,5% der Journalisten fair und offen mit einem umgehen, wenn man wirklich das Gespräch (und die Tasse Kaffee) mit ihnen sucht (das mögen andere anders erlebt haben, aber das war wirklich meine Erfahrung)

+ dass man mit allen, wirklich mit allen im Gespräch bleiben kann und soll und dass unser Glaube es erlaubt, auch Freundschaften mit Menschen zu haben, die kirchenpolitisch "ein wenig woanders" stehen als man selber - oder gar (zitter) Atheisten sind;

+ dass wir in der kirchlichen Kommunikation Beschäftigten uns oft noch viel zu wenig in den "Du-Stuhl" setzen und versuchen, uns darauf einzustellen, was unser kritischer, irritierter, journalistischer Gegenüber auch echt erfassen kann - und dass zugleich auch er ein Recht hat, Christus kennen zu lernen...

+ dass es wunderbar ist, in einer Kommunikationsstelle zu arbeiten, wo Wärme und wirkliche Freundschaft jahrelang die beherrschenden Faktoren sind und nicht Ellenbogenkämpfe - vielleicht, weil wir katholisch sind;

+ und dass es eine unglaubliche Erfahrung ist, sich im "Beruf" praktisch jeden Tag mit dem Glauben auseinander zu setzen - und 5 Jahre lang einen Chef zu haben, den man in unbemerkt glaubenden Momenten mit Rosenkranz in der Hand "erwischt".

Zum Abschluss noch mein Lieblingszitat meines Chefs der letzten 5 Jahre: 

"Wenn wir die Menschen dort abholen, wo sie sind, müssen wir aufpassen, dass wir nicht bleiben, wo sie sind."

Oh ja, und noch eines für die Freunde des Alemannischen:

"Schaffe-spare-huse-Katz verkufe-selber muse." (ungefähr)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen