Sonntag, 24. November 2013

Advent - diesmal WIRKLICH ruhig?

"Es is ja die stade Zeit" sagte man in meiner Kindheit in Bayern über den Advent. Nun, "stad", still war er schon damals nicht, doch hätte man vermutlich lachend den Kopf geschüttelt, wenn man uns prognostiziert hätte, was die bösen Monster Internet (hä?) und Smartphones (hä hä?) im Jahr 2013 zu unserem Stress beitragen würden. Den Advent 2013 in Ruhe zu verbringen scheint ausgeschlossen, undenkbar, und so richten wir uns wieder auf einen taumelnden Hetzlauf bis zum 24. Dezember ein.

Und doch... und doch beginnt am nächsten Sonntag, dem 1. Advent, wieder ein neues Kirchenjahr. Und alles kann, soll ganz neu beginnen. Weihnachten wie Ostern überraschen uns immer wieder mitten im Alltag bei der Frage "ist es wirklich schon wieder so weit?" - Ostern ist für mich wie ein Eintreten in ein riesiges, altes, wesentliches Räderwerk, das mich mitten ins Geheimns von Tod und Auferstehung hineinzieht. Advent und Weihnachten kommt viel sanfter daher, weniger drängend. Wie können wir aber im Advent eine angemessene Antwort geben, uns ruhig öffnen, ohne dafür gleich ins Kloster zu gehen?

Es gibt eine tragbare Antwort. Die in die hintere Jeanstasche passt. Und uns im Alltag einen Anker anbietet, einen greifbaren, um etwas vom Geheimnis der Vorweihnachszeit in unseren hektischen Alltagsstress hineinzuholen.



Das "kleine Stundenbuch", das mit dem ersten Advent neu beginnt. Kaufen wir es doch und lassen wir es uns kurz erklären - im Internet gibt es genug "Anweisungen", schön ist aber auch, sich von einem Menschen erklären zu lassen, wo man die Bändchen einlegt und wie man sich zurechtfindet. Glauben Sie mir, wir können eine neue, eine tiefe und wunderbare Welt entdecken, die unseren Alltag im Dezember auf heilsame Weise mit ruhigen, beschaulichen, tausenden von Jahre alten Texten aus der Bibel, mit Psalmen und schönen Hymnen durchsetzen kann. Mir jedenfalls tut das gut, mich an etwas festhalten zu können, das nicht mein Blackberry oder mein Notizbuch ist.

Seien wir ehrlich - irgendwann am Tag hat jeder und jede Zeit - sei es in der Früh, im Dunkeln, beim ersten Kaffee und bevor der PC an ist - ja, ich schaue dich da an und mich auch - BEVOR der PC an ist - oder das Smartphone. Da kann man mit der Laudes den Tag beginnen. Oder in der Strassenbahn auf dem Weg in die Arbeit. Einfach aufschlagen und vertiefen, und plötzlich ist  für ein paar Minuten der Advent da. Und wir treten in Kontakt mit Menschen, die vor 1400 Jahren auf Weihnachten warteten. Mit geistlichen Menschen, mit Mönchen auf aller Welt. Und ganz nebenbei auch mit Gott.

In der Mittagspause kann man die weiter hinten im Buch stehenden, kürzeren Terz-Sext-Non-Gebete unterbringen - das ist wirklich zu schaffen - oder man vertieft sich am Abend, vor dem Schlafengehen, in die sanften Vespern und bescließt den Tag mit Ruhe mit der Komplet.

Gehen wir es überhaupt ruhig an. Nicht alles, aber jeden Tag zumindest ein bisschen beten. Und geben wir Gott eine Chance - und stecken das Stundenbuch auch ein, wenn wir aus dem Haus gehen. Irgendwann kommt der Moment, wo wir dann, statt zum 20. Mal Facebook zu checken, doch das "Kleine Stundenbuch" herausziehen und uns an die richtige Stelle blättern. Wie das Millionen von Christen auf der ganzen Welt tun.

Man muss ja heutztage alles mit einem Papst-Franziskus-Zitat beginnen oder beenden. Also gut. In einem Inteview sagte der damalige Kardinal Bergoglio, das Stundengebet sei das letzte, was er am Abend tue, und das erste nach dem Erwachen.

Wenn uns das nicht motiviert, ihm das ein wenig nachzutun?

PS: das Stundenbuch gibt es mittlerweile auch als sehr praktische App. Mir hilft das nicht viel. Ich bin eh schon Sklave meines Handys. Ich brauche rute Bänder und Papier, um einzutauchen. 

Dienstag, 5. November 2013

Ganz erstaunlich: Der Mäusesheriff (Part 1)

Heute mal was ganz anderes.

Zeit, eines der erstaunlichsten Gesamtkunstwerke in deutscher Sprache zu beleuchten: die beiden Kinderhörspiele "Der Mäusesheriff" und "Neues vom Mäusesheriff" von Egon L. Frauenberger nach dem Buch von Janosch, beide produziert 1971. Ich sage bewußt "nach" Janosch, weil die fertigen Produkte sehr wenig mit dem Ausgangsbuch zu tun haben.

Wenn eine Platte/ Cassette/ CD aus dem Jahr 1971 nicht nur in der eigenen Kindheit hunderten von Hördurchgängen standgehalten hat, sondern beim Wiederhören als Erwachsener noch genialer rüberkommt und schließlich meinen 6 Kindern gefällt, bis hinunter zur vierjährigen Jüngsten, der die Dialoge ein fassungsloses Grinsen ins Gesicht zaubern, dann muss das Werk (über die Alterssentimentalität hinaus) schon etwas Besonderes sein.

Und das sind die Geschichten um Jippi Brown, den doppelten Sheriff von Mocassin Flat, in vielerlei Hinsicht. Rasant, komisch, mit mitreissenden Liedern, einer Triple-Portion Ironie, geradezu anarchistischen Humor und viel Spannung. Ja, sie sind so gut, wie wir sie seit der Kindheit in Erinnerung haben; erst als Erwachsener lernt man den Unsinn, der einem da verzapft wird, in seiner ganzen Breite schätzen. Teil 1, besonders aber Teil 2 sind fast die perfekteste Unterhaltung, die ich in der deutschen Sprache kenne; noch beim 5. oder 6. Hören entdeckt man kleine Humorbatzen, die einem vorher entgangen sind.

Worum geht es in den Hörspielen? In der Mäusestadt Katzlbach taucht eines Tages ein Fremder auf, der sich als Jippi Brown ausgibt. Er beginnt sofort, haarsträubende Geschichten aus dem Wilden Westen zu erzählen, zur großen Begeisterung der Mäuse, die jedes seiner Worte glauben und verschlingen. Da geht es um die Stadt Mocassin Flat, um Indianer und Silberlöwen, Eisenbahlinien und Telefonate mit dem "Präsidenten Hosenfeld", und immer wieder die erstaunlichen Heldentaten des unbesiegbaren Sheriffs mit den starken Barthaaren. Das ganze punktuiert von nonsensischen Westernsong-Versionen von bekannten Liedern und getragen von einem scharfen Timing. Dass Jippi Brown, wie Bartolomäus, der Mäusevater, vermutet, eine Lügenmaus ist, wird nicht erst am (moralischen) Ende klar; aber so wirklich stört es nicht. "Hauptsache, die Geschichte ist schön", wie die ständig mit aufgeregten Fragen unterbrechenden Mäuse meinen.Und schön sind die Geschichten; der Höhepunkt ist sicher die Begebenheit (in der zweiten Cassette) mit dem Silberlöwen mit den spitzen Zähnen, welchen der Großwildjäger Mr. Fletcher, "ein Englishman aus England", unbedingt erlegen will.

Getragen ist das ganze von genialen Texten, einem tollen Erzähler, dem charismatischen Rüdiger Bahr als charmant-größenwahnsinnigen Jippi Brown und vielen, vielen starken NebendarstellerInnen.  Ganz besonders deutlich wird der Kontrast, wenn man begeistert das Janosch-Buch kauft - und feststellt, dass es fast nichts mit dem tollen Hörspielpaar zu tun hat, sondern (zumindest mir) viel langweiliger vorkam. Der bekannte Hörspielproduzent Egon L. Frauenberger (Hotzenplotz, Kleine Hexe, Urmel etc.) hat hier mit sehr viel Eigeninitiative ein autarkes Eigenwerk geschaffen, das seinesgleichen sucht.

So. Etwas beruhigen wieder.

Wer nach all dem Lob und Preis nicht sofort los saust und für sich oder seine Kinder die Hörspiele erwirbt, sondern sicherheitshalber einmal "hineinhören" will, findet hier die Links (mit Hörbeispielen):


 Der Mäusesheriff auf Amazon

Neues vom Mäusesheriff auf Amazon

Ich bemühe mich mittlerweile, für diesen Blog Kontakt zu einigen der damaligen Synchronsprecher herzustellen, um mehr über die Umstände zu erfahren, unter denen die beiden "Mäusesheriff"-Hörspiele entstanden sind.