Montag, 25. Februar 2013

Kein Donnerstag wie jeder andere

Die erste Aufregung hat sich gelegt, der Papstrücktritt hat die Kolumnen beschäftigt, und wie zu erwarten war, hat man, in Lob diskret verpackt, das Pontifikat Benedikt XVI. doch noch möglichst heruntergemacht, kleingeredet, als gescheitert erklärt. Gewissermaßen, um sich selber recht zu geben, als man damals, nach der Wahl des Deutschen, von einem "Übergangspapst" gesprochen hat. Jetzt richten sich die Blicke nach vorne. Zu schnell, finde ich.

Für mich (und für viele, viele andere) war das ein großes, ein sehr großes Pontifikat. Mich hat es die letzten Jahre getragen, zu wissen, dass Joseph Ratzinger, ein Theologe, der einmal neben Augustinus im Regal stehen wird, dass dieser bescheidene und tiefgläubige Bayer auf dem Stuhl Petri sitzt. Mein erster Eindruck im Moment der Wahl war: das ist der Mann, der in einer immer mehr sich vernebelnden Zeit, auch bei ethisch sehr diffizilen Themen, mit der Klarheit eines Skalpells Antworten geben wird. Ich habe mich darin nicht getäuscht. Und genau deshalb fühle ich mich ab Donnerstag dieser Woche, 20h, verwaist. In der Messe wird der Name des Papstes nicht mehr genannt. Der Fels wird sich auf den Berg zurückziehen, um zu beten. Natürlich vertraue ich auf den Heiligen Geist, aber erst einmal wird da für einige Wochen ein Loch sein.

Und deshalb ist der kommende Donnerstag der Tag, an dem wir unserem heiligen Vater danken sollten. Indem wir in unseren Dörfern und Städten 15 Minuten lang die Glocken läuten.  Indem wir aber auch um 20h, wenn er zum letzten Mal den (Blei)stift als Papst beiseite legt, über Facebook, Twitter, über Email und SMS die Kommunikationskanäle übernehmen sollten. Wir sollen ihm danken, von einem einfachen "Vergelt's Gott, Benedikt" über ein bayrisches "Pfüat di" bis zu längeren Botschaften. Lassen wir die ganze Welt spüren, dass ein großer Moment da ist, dass ein großer Papst geht.

Dienstag, 12. Februar 2013

Der Papst tritt zurück...

,,,es lebe der Papst.

Klar, die Meldung gestern über den Rücktritt Benedikts XVI. hat uns alle sehr erschüttert. Weil wir einen großen kirchenhistorischen Moment erleben. Weil wir diesen Mann kennen und wissen, dass er sich so eine Entscheidung mit großer Tragweite sicher nicht leicht gemacht hat. Und vielleicht auch ein wenig, weil es so völlig überraschend kam, mitten im Jahr das Glaubens und ohne, dass irgend ein Vati geleaked hat oder eine gut informierte Quelle Andeutungen gestreut hat.

Einige meiner Freunde, mit denen ich telefonierte (ich hatte gestern viele solche Gespräche, wie man sie nur an bedeutsamen Tagen hat, wo Freunde einfach miteinander sprechen wollen) - waren ratlos. Andere waren euphorisch über den Mut und die Konsequenz. Einige waren wütend und nahmen dem Papst diesen Schritt übel. Alle waren bewegt. Ich denke, auch Benedikt wußte gestern vormittag, dass innerhalb weniger Stunden jeder Katholik weltweit darüber sprechen würde. Wer kann ermessen, wie oft er das Für und Widers erwogen hat? Wo er ein so aufrechter, ein so korrekter, ein so der Verantwortung verpflichteter Mensch war und ist? Ich weiß das für mich, weil ich ihn persönlich kennen lernen durfte, ihn für meine Doktorarbeit interviewt habe und auch so über die Jahre immer wieder getroffen habe.

Mir hat etwas geholfen, was Bischof Küng gestern dem ORF gesagt hat: "Der Geist Gottes hat die Kirche nie verlassen und das wird auch jetzt sich so zeigen." Das ist etwas ungemein Tröstliches. In der Bewegung darüber, dass uns "unser" deutschsprachiger Papst genommen ist, vergessen wir oft, wie lange die Geschichte mit den Päpsten schon währt und auf wie unglaubliche Weise doch das Wirken dieses geheimnisvollen Geistes in schon viel schwierigeren Momenten die Kirche getragen hat. Es kam immer ein neuer Papst, der richtige für die neue Zeit, und so wird es wieder passieren und (unter uns gesagt) auch noch lange, nachdem wir alle zu Staub zerfallen sind. Das hat etwas ungemein Tröstliches und Stützendes. Wir dürfen uns allerhöchstens für einen Monat verwaist fühlen, dann ist alles wieder beim "Neuen Alten". Den wir glauben, dass wir von Gott getragen sind.

Der Papst tritt zurück - es lebe der Papst.