Freitag, 14. September 2012

Mühsam: Märtyrer sein

Ein Märtyrer sein war vermutlich nie einfach. Das Wort hat durch jüngste Entwicklungen zudem einen unguten Beigeschmack bekommen. Was es besonders mühsam macht, ist, daß man ja nicht in allen Fällen die Befriedigung hat, wirklich für seinen Glauben zu sterben. Zumindest für die Umgebung nicht. Die Christen im alten Rom beispielsweise starben für etwas, was ihnen sehr wichtig war, von der Umgebung aber oft missverstanden wurde, etwa als „Hass gegen das Menschengeschlecht“ (odium humani generis, Tacitus).

Da kann man sich schnell fragen: ist es überhaupt ein Zeugnis, vor Menschen zu sterben, die gar nicht begreifen, worauf es einem ankommt? Ist es sinnvoll, für etwas in den Tod zu gehen, was andere kulturbedingt missverstehen? Ja, hätten die frühen Christen mit ein paar kleinen Kompromissen nicht ein viel klareres Zeugnis ablegen können? Indem sie überlebten und schließlich in ein Gespräch mit der "Welt von damals" kommen konnten? Aber: Warum sagt die Kirche auch heute noch, dass sie "aus dem Blut der Märtyrer gewachsen ist"?

Die Frage scheint zeitlos aktuell zu sein. Wir sind in keinster Weise in einer Verfolgung, jeder kann frei sagen, was er denkt, so frei und in so vielen Medien wie noch nie. Doch... sage ich meine unpopuläre (katholische) Meinung, etwa auf Twitter, auch dann, wenn alle sich gerade auf etwas einschießen und es zutiefst uncool wäre?

Nächste Frage: wie würde ich mich verhalten, wenn es (rein hypothetisch) irgendwann strafbar wäre, gewisse Positionen etwa zum Thema Ehe und Familie öffentlich zu äußern? Wäre ich bereit, für so etwas ins Gefängnis zu gehen? Besonders, wenn die Umgebung nur glaubt, dass ich verbohrt bin? Oder angenommen, über den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte würde erstritten, dass die Kirche einem verheirateten Mann den Beruf des Priesters nicht verweigern darf: Würde ein Bischof dann in Kauf nehmen, für so etwas wie das Festhalten am Zölibat vom Gesetz bestraft zu werden?

Man muss nicht alles gleich Martyrium nennen. Aber solche Fragen traten schon immer an Christen heran und werden es in Zukunft, vielleicht vermehrt, tun. Und die Entscheidung ist fast immer alles andere als klar...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen