Montag, 24. November 2014

Glaubenssache: ein Podcastversuch

Seit Monaten bin ich über Netz mit Alexander Waschkau vom "Hoaxilla"-Podcast befreundet. Weil er Atheist/ Skeptiker ist und Podcasts sein großes Steckenpferd sind, haben wir beschlossen, einen solchen "über den großes Graben" zu machen: Atheist und Katholik gemeinsam. Vielleicht kommt ja was nettes dabei raus, hier jedenfalls die erste Folge:

http://glaubenssache.info/01-jetzt-gehts-los/


Sonntag, 16. November 2014

Der Habsburgersaal in Tratzberg

Beim Dreh meiner letzten Folge dieses Jahr von "Wo Grafen schlafen" durfte ich einen der tollsten Räume überhaupt entdecken - und möchte mit diesem kleinen Video den Habsburgersaal in Tratzberg empfehlen...

Mich bewegt immer, dass Maxmilian damals den Saal selber gesehen hat und stolz war auf die große Geschichte seiner Familie - ohne zu ahnen, dass es noch 400 Jahre weitergehen würde.



Hier kann man die "Führung" auf Youtube ansehen...




Freitag, 14. November 2014

Abends an einem besonderen Ort

Ich sitze ganz alleine, an einem dunklen, ungewöhnlichen Ort. Umweht von einem überwältigenden Geruch von altem Holz. Kühl ist es und ganz still. Solche Stille kennt man ja heute nicht mehr. Aber es ist gut so, einfach hier zu sitzen. Matt fällt das letzte Dâmmerlicht durch Butzenglasscheiben. Aber hier drinnen ist es fast ganz finster. Das einzige Licht kommt vom Display meines Handys, auf dem ich das hier schreibe.

Der Boden, die Wände, die hohe Decke - alles Holz. Hier eingebaut im Jahr 1506. Links schälen sich aus der Dämmerung schemenhaft die Umrisse eines hôlzernen Himmelbetts. Mit einem großen unregelmäßigen Stoffkreuz am Fußende. Und rechts von mir... wenn ich mein Handy hebe, beleuchtet es geschwungene, verschnörkelte Kreideworte an der Holzwand, vor 500 Jahren kunstvoll von selbstbewußter Hand hingeschrieben.

"Ich leb, weiss net wie lang. Ich stürb weiss nicht wann. Muss fahrn, weiss nit wohin. Mich wundert dass ich so frelich bin."

Kaiser Maximilian hat in diesem Zimmer geschlafen, als er die Besitzer von Tratzberg, die Brüder Tänzl, besucht hat. Als er sich den Habsburgerstammbaum unten im Saal ausgiebig angeschaut und sicher gelobt hat. Dann, spãter am Abend, schlief er hier. Das ist verbügt. Der Schlossherr zeigte ihm sicher auch stolz die geheime Fluchtklappe, die hier, wenige Schritte von mir, in den Stubenboden eingesetzt ist. Irgendwann ging Maximilian schlafen. Schrieb er zuvor, gleichsam wie ein Graffiti, die Inschrift an die Holzwand? Vieles spricht dafür.

Die Stille ist total, aber bergend, nicht drückend. Ich denke natürlich über meinen Vorfahren nach, der hier vor 500 Jahren wohnte. Ob er sich wohl vorgestellt hat, dass so viele Jahre nach ihm ein Nachfahre wieder in dieser dunklen, kühlen, aber auch heimeligen Stube stehen würde? Dass es im unvorstellbar weiten Jahr 2014 noch Habsburger geben würde?

Ich stehe auf. Gehe langsam hinüber, lege im Dunkeln meine Hand auf einen der Pfosten des Bettes. Und habe das Gefûhl, durch die Geschichte herunterreichen zu können und Maximilian - für einen Augenblick - an der Hand zu fassen zu kriegen.

Lange sitze ich einfach und lasse den Raum mich umhüllen zu mir sprechen.

Irgendwann verlasse ich die Maximilianstube von Tratzberg wieder. Ja, ich mache auch Fotos. Aber sie können das Erleben nicht wiedergeben, wirken fast wie eine Entwürdigung dieses Raums.

Deshalb hier nur dieser Text.

Donnerstag, 13. November 2014

Die Lösung aller Probleme

Ich hab die Lösung aller Probleme! Vielleicht sollte der Papst eine ganz einfache Presseaussendung machen, die uns für immer medialen Frieden beschert:

"KIRCHE FINDET ALLES GUT.

Vatikanstadt, 12.11. Die katholische Kirche findet ab jetzt ALLES gut. Ehe ist gut, Ehebruch ist auch gut, Treue ist super, Untreue ist auch super, Barmherzigkeit ist gut, Unbarm...ehm, nein, das natûrlich nicht, weiches Ei ist klasse, hartes Ei aber auch. Alles, alles ist super."

Das wär's, dann kann uns endlich keiner mehr irgendwas vorwerfen.

Ab dem Moment sind wir dann allerdings auch total überflüssig.

Aber auch das ist dann vermutlich gut.

(Ups... Vielleicht sollten wir das vorher mit Jesus abgleichen...)

Dienstag, 4. November 2014

"How I miss my phonograph" - Bram Stokers "Dracula" durch moderne Augen

In den letzten Wochen habe ich mit großen Genuss (und natürlich heimlichen Schaudern) Bram Stokers "Dracula" wieder gelesen. Als Jugendlicher war meine erste Begegung mit diesem Buchklassiker (wie ich erst später feststellen konnte) eine gekürzte, "spannender gemachte" Version. Man traute Kids schon damals keine Originale zu. (Heute sowieso nur noch, wenn sie nicht mehr als 140 Zeichen haben). 

(Exkurs: Danach sah ich recht schnell aufeinander den 1931-Lugosi-Film (erstaunlich weit weg vom Original) und Murnaus Stummfilm-Meisterwerk "Nosferatu" von 1923, diese Piratenversion, die ohne die Erlaubnis von Stokers Witwe entstand und von der die meisten Kopien daraufhin zerstört wurden. Für mich noch immer die beste Version und eine echte Symphonie, die jeder Cineast mal gesehen haben sollte. Noch dazu, wo es die aktuellste restaurierte Fassung hier auf Youtube gibt. Die originalgetreuste Version ist schon die von Francis Ford Coppola - allerdings ziemlich barock-bombastisch. Exkurs Ende.)

Jahre später, als Student las ich zu meinem Staunen die originale Romanversion und stellte fest, dass sie eine Collage aus Tagebüchern, Briefen, Zeitungsartikeln und Notizen war. Und viel, viel mehr Hauptfiguren enthielt, als ich mich aus den Filmen erinnern konnte. Für alle, die noch nie mit Dracula in Verbindung gekommen sind (ja, euch auf dem Mond meine ich), kurz die Handlung: Der Maklerangestellte Jonathan Harker reist nach Transsylvanien, um den abgelegenen lebenden Grafen Dracula in seinem finsteren Schloss in den Bergen ein Haus in England zu verkaufen. Dort stellt er nicht nur fest, dass der Graf eine uralte Kreatur der Nacht ist, die sich vom Blut unschuldiger Menschen ernährt, sondern auch, dass er vorhat, sein Jagdrevier nach England zu verlegen. JOnathan schafft es, sich auch der Gefangenschaft zu befreien, und stößt zu seiner Verlobten Mina und ihren Freunden in London. Dort hat der Graf schon zu wirken begonnen und Minas beste Freundin Lucy infiziert. Mit Hilfe des holländischen Professors Van Helsing beginnt die Jagd auf den unbesiegbar scheinenden Grafen... doch sie wird erst in Transsylvanien wieder enden...

Ich war natürlich gefesselt von dem Buch, überblätterte aber auch gewisse Passagen, die mir einfach lang vorkamen und die Handlung nicht vorantrieben. Mich irritierte das Mittel des Brief- und Tagebuchromans damals. Das war aber vor über 20 Jahren.

Die Rückkehr zum "Dracula" im Internetzeitalter ist eine überraschende und bestätigt wieder mal, dass man gute Bücher alle paar Jahre lesen sollte, weil sie jedes Mal völlig verschieden sind. Abseits von der spannenden und für das Jahr 1897 doch sehr modernen Geschichte ist mir erst jetzt aufgefallen, dass Stoker ein echter Techno-Geek war. Er ist unendlich fasziniert von den neuesten Errungenschaften, also etwa den Reisemöglichkeiten, dem Telegraphen und vor allem dem Phonographen. In der mittleren Sektion, die ausschließlich in England spielt und in welcher die weibliche Protagonistin Mina mehr in den  Mittelpunkt rückt, mutiert sie zu einer Art Chefsekretärin der handelnden Männer, die zwischen Vampirattacken die auf Phonographen aufgezeichnete Memos und Tagebucheintragungen mit Schreibmaschine trakskribiert und damit den Wissensstand der furchtlosen Vampirjäger täglich auf den neuesten Stand bringt. Dr. John Seward, Arzt, benutzt das Gerät fast zu gerne  und vermisst es sogar in der anschließenden Reise nach Transsylvanien ("oh, how I miss my phonograph"). Dem Lesen wird dieses Techno-Thema stellenweise fast zu zentral, aber man muss es dem begeisterten Stoker einfach nachsehen.

Zudem bastelt der Autor eine recht intelligente Collage, in der besonders einige der zitierten Zeitungsartikel pointiert und sogar parodistisch sind - hier blitzen in einem ansonsten eher ernsten, pathetisch-edlen Roman Humor und Mediensatire hervor, wie man sie aus Stokers Kurzgeschichten kennt. Letztere sind ja viel schärfer, grausamer und pointierter als noch die unheimlichsten Passagen von "Dracula". Ich weiss, man sollte den "würde Stoker heute leben"-Vergleich nicht überstrapazieren, aber er würde "Dracula" vielleicht als Internetseite mit Youtube-News-Clips, Video-Vlogs und Mockumentary-Elementen konzipieren. Es macht ihm sichtlich Spaß, kleine Details in einem Medium zu pflanzen und sie in einem anderen zu ernten. Und das Puzzle der verschiedenen Medien zusammenzusetzen. Durch die sehr glaubwürdig klingenden Artikel bekommt der Roman einen Touch von Realismus.

Und dann bewegt den gestressten Berufstätigen natürlich immer noch die Begegnung mit den letzten Überresten des 19. Jahrhunderts. Stoker selbst mag seine Geschichte im Jahre 1897, als er sie schrieb, als ein rasender Parforceritt vorgekommen sein. Von London über Wien und "Buda-Pesth" zum Borgo-Pass und zurück - die unheimliche Schiffahrt nach England, in der Dracula zum Albtraum einer Schiffsbesatzung wird - kreuz und quer durch London und am Ende wieder zurück nach Siebenbürgen...  das klingt unendlich gehetzt. Wenn man aber zwischendurch sieht, wieviel Zeit ein mutiger Vampirjäger damals hatte, wie er noch Orte besichtigen, Bücher lesen, Gespräche führen konnte - all das ist so unendlich ruih und somit so lange her... Auch als Gast des Grafen vergehen für Jonathan lange, lange Tage mit Lesen und Umschauen, bevor Dracula sein wahres Gesicht zeigt - köstlich ruhige ereignislose Tage. Heute muss man um jeden Moment kämpfen, in dem man "nichts tut".

Andererseits darf man nicht zu sehr um die Moderne klagen. Ein einziges Handy -und ein Sender in der Nähe des Borgo-Passes - hätten auf einen Schlag alle Pläne des Grafen durchkreuzt... So muss Jonathan warten und warten und seine Freunde rasen ahnungslos in ihr Verhängnis.

Fazit: Dracula ist lesenswert, noch mehr für Erwachsene als für Jugendliche, die mit den langen Passagen, wo "nichts passiert", vermutlich weniger anfangen können. Erhältlich als Buch, englischen Online-Text oder englisch oder deutsch gelesenes Hörbuch auf Youtube.

PS: wer sich eine kleine Kostprobe verschaffen will, kann auch die gruselige Kurzgeschichte "Draculas Guest" von Stoker lesen - das war ein ursprünglich für den Roman konzipiertes Stück, das Stoker herausschnitt und als eigenständige Kurzgeschichte verwendete.

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Aus der Geburtsstation von ALETEIA






Seit ich nicht mehr als Medienreferent von Bischof Küng in St. Pölten arbeite, sind Martin Kugler und ich in der Vorbereitung der deutschsprachigen Ausgabe von www.aleteia.org begriffen. Die Sache läuft langsam an, weil es derzeit noch Abstimmungen mit den englischen, französischen und italienischen Schwesterseiten gibt, die sich etwas hinziehen werden. Auch soll unser Team noch wachsen. Daher können wir noch kein sicheres Startdatum geben.

Das Großartige am Netzwerk von Aleteia ist, dass wir Zugriff auf eine ganze Reihe von sehr spannenden Artikeln aus den anderen Ländern haben, die deutschsprachigen Lesern – neben den  „hausgemachten“ Berichten - einen weiten Horizont auf unsere Themen von Kirche über Bioethik zu Gesellschaft und Familie liefern werden. In der „Wartephase“ sammeln und übersetzen wir derzeit die besten und interessantesten Artikel aus aller (Aleteia)-Welt und werden sie als bereicherndes Material beim Start der Seite präsentieren.

Als ein kleiner Vorgeschmack auf unsere Themen und Paletten hier ein humorvoller Blick auf Statistiken über Katholiken aus den USA...


Wenn Katholiken weniger katholisch sind als Nicht-Katholiken

Neue Studie: “Gläubige” sind oft überraschend “ungläubig”



Die katholische Kirche klärt doktrinelle Fragen normalerweise nicht durch Mehrheitsbeschluss. Umfragen tun das hingegen gerne. Und weil Studien zu “katholischen Meinungen” normalerweise die Antworten von allen Menschen aufzeichnen, die sich selber als “katholisch” bezeichnen, kommt meistens nicht klar heraus, was wirklich gläubige und praktizierende Katholiken denken.

Dennoch ergeben sich bei solchen Umfragen oft Resultate, die in sich selbst höchst interessant sind, wenn sie auch vielleicht nicht gerade einen Spiegel von authentischer katholischer Meinung darstellen. Die neue Studie des Saint Leo Polling Institute ist ein hübsches Beispiel dafür.

Nach dieser Umfrage glauben starke 68% der “katholischen Amerikaner” (gegenüber 18% dagegen und 14% Unentschlossenen), dass wiederverheiratete geschiedene Katholiken zur Kommunion zugelassen werden sollten. Ähnlich überwältigend (66%-21%) ist der Prozentsatz derer, die meinen, die Kirche sollte Verhütung zulassen. Eine recht solide Mehrheit (50%-33%) würde das Verbot von außerehelichem Sex ebenfalls fallen lassen. Und mit einer hauchdünnen Mehrheit sind diese “katholischen Amerikaner” auch für die gleichgeschlechtliche Ehe.  

Ich weiß, ich weiß. Solche Studien haben wir schon zigmal gesehen. Und im Jahr der Synode gibt es garantiert wieder ganz viele. Wir könnten uns fragen, wie genau die Fragen gestellt waren und wie die Ergebnisse erfasst wurden. Und dann, wie sich das Sample zusammensetzte. Hätte man dieselbe Frage praktizierenden Katholiken gestellt, wäre das Ergebnis wohl ziemlich anders ausgefallen. Aber das wissen wir alles schon längst.

Was diese Studie so besonders macht, ist die Tatsache, dass die Antworten in zwei Kategorien aufgeteilt sind: Antworten von Katholiken und von Nicht-Katholiken. In jedem einzelnen Fall sind die Antworten der Nicht-Katholiken näher an der Lehre der katholischen Kirche!

Schauen wir uns die Zahlen an: während 68% der Katholiken meinen, wiederverheiratete Geschiedene sollten zur Kommunion zugelassen werden, pflichten dem nur 47% der Nicht-Katholiken zu. Katholische Teilnehmer stimmen eher einer möglichen gleichgeschlechtlichen Ehe zu als Nichtkatholiken (42-36%), und auch bei Sex außerhalb der Ehe (50-36%) und Verhütung (66-59%) sind sie großzügiger als ihre nicht-katholischen Kollegen..

Wir wissen natürlich, dass nichtpraktizierende Katholiken eher von der katholischen Lehre abweichen als praktizierende; das ist hier nicht die Überraschung. Was überrascht, ist vielmehr, dass nichtpraktizierende Katholiken weiter von der Lehre weggehen als Nicht-Katholiken, wenn diese Studie stimmt.

Für die meisten Meinungsforscher ist ein “Katholik” jeder, der sagt, dass er der katholischen Kirche angehört. Wir kompliziert würde das Leben dieser Forscher werden, wenn sich herausstellte, dass ausgerechnet die Nicht-Katholiken es sind, die zu katholischen Werten stehen? Nicht auszudenken...

Phil Lawler ist der Herausgeber der Catholic World News (CWN), des ersten englischsprachigen Internet-Nachrichtendienstes (von ihm gegründet 1995). Dieser Artikel erschien ursprünglich auf CWN und wird mit seiner Erlaubnis bei Aleteia wiedergegeben).

(Übs. für die deutsche ALETEIA-Ausgabe von Eduard Habsburg)


 




Montag, 20. Oktober 2014

Ein kurzes Zitat zur Synode und zu allem anderen, was eben so passiert

Von Abraham Lincoln. 

"If you call a dog's tail a leg - how many legs does the dog have?" 

"Five?" 

"No, four. Calling a tail a leg doesn't MAKE it a leg."